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Die Coronavirus-Krise richtig meistern

Tipps, Hinweise und Ideen, wie Sie gegen die Corona-Krise kommunizieren können

Eine Situation wie die gegenwärtige Corona-Krise ist eine Herausforderung für das Management. Viele Organisationen haben unterdessen Ihre Krisenstäbe hochgefahren. Der Kommunikationsbedarf ist gross – auch und gerade nach innen, gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

  1. Wenn Sie es noch nicht getan haben: Nehmen Sie die aktive Kommunikation mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Coronavirus-Situation jetzt auf. Als Dienstleistungsunternehmen können Sie das z.B. über einen regelmässigen Newsletter tun, als Produktionsbetrieb mittels Aushang am Anschlagbrett. Noch besser ist natürlich eine persönliche Ansprache. Das persönliche Zusammenkommen schafft eine zusätzliche Verbindlichkeit, aber auch zusätzliches Vertrauen. Der elektronische Newsletter kann auch z.B. durch eine Video-Ansprache erfolgen. Auch eine Mitarbeiter-Versammlung ist ein probates Mittel – z.B. einmal wöchentlich.
  2. Etablieren Sie einen festen Rhythmus, wann Sie kommunizieren. Z.B. immer am Montag und am Donnerstag. Insbesondere sollten Sie so informieren, dass Sie auch allfällige negative Nachrichten auffangen können mit individuellen Gesprächen. Deshalb nicht am Freitag kommunizieren und die Mitarbeiter/innen dann über das Wochenende alleine lassen mit den Informationen.
  3. Das Wichtigste an der Kommunikation ist gegenwärtig, Präsenz zu markieren und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Sicherheit zu vermitteln, dass das Management auf Deck ist und dem Sturm in die Augen schaut.
  4. Im Zentrum der Kommunikation sollten die Massnahmen stehen, welche Sie beschlossen haben, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor einer Infektion zu schützen. Und auch wenn Sie keine konkreten Massnahmen beschlossen haben, sollten Sie kommunizieren und begründen, warum Sie so entschieden haben. Zur Zeit ist in den Massenmedien so intensiv von Massnahmen wie Home-Office, zusätzlichen Desinfektionsstationen, Absagen von Businesstreffen oder Reisen die Rede, dass alleine diese massive Berichterstattung schon dazu führt, dass Ihre Teams unsicher werden, wenn Sie schweigen. Eine gut begründete Kommunikation, warum Sie keine Massnahmen treffen, wirkt dem entgegen.
  5. Erklären Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre Strategie. Was wollen Sie erreichen? Ist es Ihrem Betrieb wichtig, dass möglichst nicht alle gleichzeitig krank werden? Oder muss noch dringend ein wichtiger Auftrag abgewickelt werden können, bevor die Produktion aufgrund der Lage zurückgeht? Wenn Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihre Beweggründe und Zielsetzungen verstehen, werden Sie mehr Verständnis für allfällige Massnahmen aufbringen.
  6. Seit der ersten März-Woche ist in den Medien viel von den wirtschaftlichen Folgen die Rede. Verschiedene Unternehmen sprechen von drohenden Entlassungen oder mindestens Kurzarbeit. Auch das weckt Befürchtungen, die Sie jetzt adressieren sollten. Transparenz kann hier helfen. Falls Sie Kurzarbeit ins Auge fassen und das für Ihren Betrieb etwas völlig Neues ist, erklären Sie den Mitarbeiter/innen, was sich dahinter verbirgt und welche Zielsetzungen damit verfolgt werden.
  7. Wenn Sie Entlassungen ins Auge fassen müssen, wird es eine Stufe komplexer. Wenn Sie vor dieser Situation stehen, gibt es weitere Punkte zu berücksichtigen:
    1. Stellen Sie sicher, dass Sie nicht die Leistungsträger verlieren. Wenn sich im Betrieb die Meinung durchsetzt, dass es Entlassungen geben wird, versuchen viele, schon etwas Neues zu finden, bevor die Entlassungen ausgesprochen werden. Und wer wird etwas Neues finden? Zuerst wohl Ihre Top-Leistungsträger. Genau die wollen Sie aber nicht verlieren. Also müssen Sie dem entgegenwirken.
    2. Die Ankündigung von Entlassungen führt meist umgehend zu vielen Krankheitsfällen von Personen, die damit die Kündigungsfrist herauszögern. Das sollten Sie berücksichtigen und Massnahmen dagegen überlegen (ja, die gibt es).
    3. Denken Sie daran, dass das Gesetz bei sog. Massenentlassungen (das sind 10% der Belegschaft oder mehr) zusätzliche Schritte verlangt (z.B. Konsultationsverfahren). Führen Sie das nicht gesetzeskonform durch, drohen zusätzliche Kosten.
  8. Denken Sie an die Persönlichkeitsrechte. Informationen über die Gesundheit gehörten zu den besonders schützenswerten Personendaten. Sie dürfen deshalb z.B. Personen, welche sich angesteckt haben und/oder in Quarantäne sind, nicht identifizierbar nennen. Teilen Sie das aber auch gleich mit. Bsp: «Ein Mitglied aus dem Buchhaltungsteam wurde positiv getestet und ist jetzt in Quarantäne. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht namentlich sagen dürfen, wen es betrifft.» Der Flurfunk übernimmt in der Regel den Rest der Arbeit – dafür sind Sie aber nicht verantwortlich.
  9. Situationen, wie die gegenwärtige, welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verunsichern, stellen an die Kader aller Stufen besonders hohe Anforderungen. Stellen Sie sicher, dass Ihre Kader diese Aufgabe auch professionell wahrnehmen und insbesondere auch die Kommunikation über die verschiedenen Ebenen gut funktioniert, sodass problematische Entwicklungen rasch von der Stufe der Teamleiter/innen nach oben eskaliert und bearbeitet werden können.
  10. Seien Sie sich bewusst, dass es immer passieren kann, dass Ihre interne Kommunikation – von wem auch immer – nach aussen weitergegeben wird. Zum Beispiel an die Medien. Kommunizieren Sie ausschliesslich Dinge, die auch in der Zeitung stehen dürf(t)en.

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